Dienstag, 13. Juli 2010

Aus der Ferne...



...gratuliere ich mal meinem lieben Forenkollegen, Kurzzeithausgast und Betreiber der Seite Deepsky Chiemgau Costa zu seinem Neuerwerb:

Costa voller Stolz mit seinem gebraucht erworbenen 16"er.

Einen Beobachtungsbericht vom ersten alpinen Einsatz hat er auch schon verbrochen und mir bleibt nur ALLES GUTE MIT DEM HAMMERTEIL zu wünschen ;)

Gute Jagd unter immer ein faustgroßes Wolkenloch überm Spiegel wünscht


Der Jan

Julinächte in Hemdsärmeln III

...Und gestern war es für eine Stunde wirklich SEN-SA-TIO-NELL ! :)
Aufgestachelt durch einen Beobachtungsbericht mit einer recht wunderlichen Aussage in meinem Heimatforum und sehr überrascht ob der perfekten Transparenz des Himmels in der großen Wolkenlücke über mir hielt es mich wieder nicht im JanEtarium, sondern es wurde schnell alles nach draußen verfrachtet...

Schon beim warmkucken hatte ich bemerkt, daß in dieser Nacht einiges gehen sollte.
Es galt mal ins Sternbild Cepheus zu halten und dort das mir wohlbekannte Pärchen aus NGC 6939/6946 (auch Caldwell 12) ins Visier zu nehmen, denn ich wollte unbedingt nochmal prüfen WIE BLIND der im BB erwähnte Kollege denn sein musste.

Pärchen im Sternbild CEP, an der Grenze zu CYG
Bild von Wikisky.org

Im 10"er ist die Galaxie NGC 6946 sehr apparent, wenn auch nicht immer mit Spiralarmen zu sehen. Im 20x80 Triplet sieht man sie als recht auffällige Aufhellung und muss sich (gescheite Transparenz vorrausgesetzt...) auch nicht die Augen verbiegen. Da die Nacht es hergab, ich latenten Zorn ob der offensichtlichen Unfähigkeit des Kollegen( "Im 16Zöller ungesehen...!" ) und der unnötigen Beweihräucherung eines von mir nicht sehr geschätzten Jungbeobachters verspürte hielt ich mal mit dem montierten 10x50 WP drauf..... Siehe da: Auch im kleinen Glas ist die Galaxie sichtbar ! Wer weiß, wo die Sternketten laufen und wo die Galaxie NICHT ist, der kommt ihr also in einer guten Nacht wie der gestrigen auch mit dieser kleinen Optik auf die Spur.

Den Rest der klaren Stunde unterm Julineumond war Genussspechteln angesagt: "Barnard´s E" kam im kleinen Fernglas wieder wirklich deutlich und klar gegen die Milchstraße abgesetzt daher, auch "Die Zigarre" B168 (von beiden schrieb ich ja bereits) sorgte beim Schreiber dieser Zeilen für leichtes sabbern ;) Konnte ich in deren Verlängerung doch auch noch den sehr interessant aussehenden Sternhaufen NGC 7209 im Sternbild "Eidechse" einfangen. ICH und Sternhaufen....ich muss Fieber haben ! War aber ein Klasse Anblick.

Keine Sommernacht ohne prüfenden Blick in Richtung M31, der "Andromedagalaxie".
Langsam steigt sie hoch genug um nicht nur milchig trüb auszusehen und die beiden Begleitgalaxien M 110 und M 32 sind ohne Mühen zu beobachten...


Zum Abschluss nochmal durch die Milchstrasse im Schwan - wie könnte es im Juli anders sein ;) und noch den Nordamerikanebel bestaunt: Klar begrenzt und besonders ausgedehnt kann man diesen Nebel in beiden Ferngläsern abfahren und heute beeindruckt besonders die "Great Wall" - ein sehr dichter Bereich des Nebels, der beim Kontinent wohl die pazifische Küstenline Mexikos bilden würde...

Bild der "Great Wall" wieder bei Heiko Mehring geklaut ;)

Das Staunen der Nacht wurde dann leider wieder jäh durch hereinziehende Wolken beendet, aber so genial wie die Anblicke in der kurzen Zeit waren werde ich davon sicher noch ein Weilchen zehren können...Danke für´s lesen !


Gruß aus dem JanEtarium

Der Jan

Julinächte in Hemdsärmeln II

Na...einen kleinen Bericht war ich ja noch schuldig. Das holen wir dann heute nach.... Es ergaben sich gar noch DREI Nächte in denen was ging, in zweien allerdings war definitiv nichts an Galaxien zu reissen - dafür war die gestrige Nacht um so spannender und in den beiden anderen gab es gute Gespräche:

Freitag auf Samstag in L. war wieder mal Großauflauf angesagt, was mir beobachterisch ein wenig gegen den Strich ging, dank der Gelegenheit zu Fachsimpeleien allerdings doch einen Heidenspaß gemacht hat. Benny hat hierzu auch einen Bericht verfasst.

Das genialste an diesem Abend war sicher die Anwesenheit von Thomas K. nebst seines 4" Binos.
Ich hatte ja jüngst in Sachen Stativ endlich mal was halbwegs gescheites angeschafft und hatte dabei auch schon im Hinterkopf, daß da (wenigstens in der Not) auch mal was schwereres drauf passen muss ;) Um hier nicht mit Details zu langweilen: ES PASST ! Und es TRÄGT !
Die 7 Kilo Gewicht des Doppelrefraktors werden mit nur minimal verlängertem Nachschwingen getragen und man kann sogar noch schmerzfrei damit beobachten. Allerdings wohl nicht im täglichen (Dauer-)betrieb....da gibt´s doch einige Einschränkungen und die Physik lässt sich ja bekanntlich nicht überlisten. Als Reiselösung mit nicht ganz ausgefahrenen Beinen und Mittelsäule aber durchaus tauglich finde ich.
(Notiz an mich selbst...Schwenkarm weiterbauen ! :D )

Am selben Abend bekam noch mein Spiegel die höheren Weihen ! Per Ronchi-Test wurde bestätigt, was eh längst jeder mitbekommen hat: "Bettsies" Spiegel ist wohl wirklich erstklassig.
Es lacht des Besitzers Herz und ich kann nun noch ein bisschen stolzer neben den "Premium-ich-hab-zuviel-Geld-deshalb-das-Hobby"-Kollegen aufbauen.

Samstag auf Sonntag war ich mit Andi Sch. und "Carlo" draußen. Der arme Andi war ganz ausgesüchtelt und wollte selbst ob der nicht so tollen Wetteraussichten nicht von seinem Plan ablassen den 16"er wieder Gassi zu führen. Fazit des Abends: Hör´auf den WetterChinesen !
Direkt nachdem der Photonensauger aufgebaut, justiert und warmgekuckt war zog es komplett zu und wir haben eigentlich wieder nur geschwatzt...In so sympathischer Runde aber immer ein Genuß. Danke für´s her kommen Ihr 2.


Gruß aus dem JanEtarium

Der Jan

Freitag, 9. Juli 2010

Julinächte in Hemdsärmeln I

NA, ENDLICH ! Es geht auf Neumond zu UND es gibt ein bisschen Himmel ohne Wolken... Man soll´s nicht glauben ;)
Die vergangen beiden Nächte gab´s wieder was zu kucken und da hab ich mich nicht Bitten lassen. Nachdem Benny und ich vor einigen Tagen im Westtaunus unter geschlossener Wolkendecke unterwegs waren ist es nun zweimal hintereinander richtig nett geworden. Mittwoch auf Donnerstag verbrachte ich ausnahmsweise ohne rauszufahren auf der Terrasse, Do. auf Fr. aber ging es dann wieder ins BennyLand und es wurde in geselliger Runde beobachtet.... Aber der Reihe nach:

Die erste Nacht begann im JanEtarium. Schnell war aber klar, daß der Himmel mehr zu bieten hatte und so bin ich fix umgesiedelt.

Der Cirrusnebel, ein Supernovaüberrest fürs Fernglas im Sternbild Schwan.
Bild aus Wikisky.org

Nachdem ich kontrolliert hatte ob der "Nordamerikanebel" NGC 7000 noch an Ort und Stelle und der Supernovaüberrest bekannt als "Cirrusnebel" noch am strahlen ist (JA!) ging es zunächst auf die Suche nach einigen Dunkelnebeln in der Milchstraße.

Barnard´s "E" im Sternbild Adler
Bild aus Wikisky.org

Den Anfang macht die Kombi aus B 142/143 in AQL. Diese Kombination aus zwei dunklen Staubwolken vor dem Sternenmeer der Milchstraße ist direkt neben den beiden Hauptsternen zu finden. Unten links im Bild ist ATAIR zu sehen, der hellste Stern im "Adler" und Teil des Sommerdreiecks aus DENEB im Schwan, Vega in der Leiher und eben Atair selbst.
Stellt man den etwas weniger hellen, gelberen Stern aus dem Gesichtsfeld des Fernglases/Teleskops so entdeckt man bereits auf den ersten Blick die satt abgesetzte Staubwolke B 142 in einer liegenden U-Form. (Neien ! Wie ein C sieht es nicht aus :P )
Bei genauerem Hinsehen und etwas weniger abgesetzt kann man mit kleiner Optik den darunterliegenden Staubstreifen B 143 ausmachen und das ganze im grossen steht wirklich auffällig wie ein fettes "E" am Himmel. Hence the name...

Danach wieder zurück in den Schwan, denn auch hier gibt es eine auffällige Dunkelzigarre, namentlich B 168, die auch "Road to Cocoon Nebula" genannt wird. Sie verläuft direkt vom Sternhaufen M39 bis hin zum Cocoonnebel und kann so zur Aufsuche desselben genutzt werden.


B 168 im Schwan, auch "Straße zum Cocoonnebel" oder schlicht "Dunkelzigarre" genannt.Bild aus Wikisky.org


Den bekanntesten der Barnardschen Dunkelnebel kennt wohl selbst der astronomische Laie:
Barnard 33, auch als Pferdekopfnebel bekannt ;)

Hm...war das hier nicht mal ein GalaxienkuckerBlog ??
Entschuldigung, lieber Leser - im Sommer ist halt eher Nebelzeit... Aber als nächstes gab es natürlich ein Paar Galaxien auf die Retina! Nach den üblichen Leuchttürmen im oder in der Nähe des Grossen Wagens (M81/82, M51 und M101) schwenkte ich das 20x80 in die Region zwischen Bärenhüter Bootes und dem Schwanz der Bärin. Die dort gerade wegsackenden Galaxien M94, NGC 4631 und das kleine Pärchen aus NGC 4490 und 4485 das Benny mir jüngst gezeigt hatte wollte noch zum Abschied gewunken haben.

Viel los dort: Aufsuchkarte aus der Deepsky Datenbank von Astroinfos.net

Nach weiteren kurzen Spaziergängen im Zenit war nun auch das Sternbild Pegasus hoch genug am Himmel und es packte mich ein wenig der Wahnsinn: Derart auffällig, wie die Galaxie NGC 7331 - der Schlüssel zur Aufsuche von "Stephan´s Quintett" - gewöhnlich im Übersichtsokular zu sehen ist sollte diese doch eigentlich auch im Fernglas zu erbeuten sein....

Gesagt, getan: Das Feld noch fix mit dem 10x50 erforscht und anschliessend "Das Grosse" draufgehalten. Mit ein wenig Augenverbiegen bin ich der Galaxie tatsächlich auf die Spur gekommen. Im indirekten Sehen war die Galaxie wirklich zweifelsfrei...naja...zu erahnen ;)
Ich kann sie aber als gesehen buchen, da hier kaum ein Irrtum möglich ist.

Hier noch ein bissi, da noch ein bissi spazierengekuckt, dann wurde der aufgehende Mond langsam heller und machte weitere Versuche etwas neues zu entdecken wie immer unmöglich.
Aber es gab ja noch eine Nacht.....


Gruß aus dem JanEtarium und bis gleich

Der Jan

Donnerstag, 1. Juli 2010

Enthunzungen...

Endlich wieder was zu verbloggen :)
Zwar wurde nur am Rande beobachtet, aber der Erfolg in anderen Disziplinen rechtfertigt den Eintrag allemal:

Benny H. - Bekannter, Sternfreund, mein Mitbeobachter, Betreiber von www.Taunus-Astronomie.de und seit nahezu zwei Jahren täglicher Wegbegleiter in Schriftform, der Präsentere meiner beiden Mentoren in Sachen Astro - hatte sich erfreulicher Weise mal wieder im JanEtarium eingefunden. Es galt seinem erst kürzlich fertig erbauten 12"er endlich ins Martini-Kleidchen zu helfen...

Einiges lag im Argen: So befand sich beispielsweise der Fokuspunkt in dem die zum Einsatz kommenden Okulare scharf zu stellen sind viel zu weit innerhalb des Okularauszugs. Simpel gesprochen: Das Teleskop war in sich zu lang. Bei einem Volltubus-Teleskop wie dem meinen eine komplizierte Operation, bei einem Gitterrohrtubus wie Benny ihn künftig schwenkt allerdings um Klassen einfacher zu lösen, wenn man präzise arbeitet.

Schritt 1 vollbracht, nur zu hochbeinig ist "Sie" noch...

Glücklicher Weise war die benötigte Ablängung schon recht genau berechnet, sodaß ich eigentlich nur noch die Säge auspacken musste ;) Gesagt, getan - nach dem üblichen (aber nicht minder herzlichen) Empfangs-Hallo ging es ans Werk und keine halbe Stunde später waren wir bereit zum testen. Teleskop zusammengebaut, ab in den Hof und ausprobiert. Was soll ich sagen: PASST :) Sowohl intra- als auch extrafokal kommt man auch mit kritischen Okus zu einer knackscharfen Abbildung UND es bleibt in beide Richtungen sogar noch Fokusweg übrig....

Die Forensik zum zweiten Problem brachte direkt noch ein drittes zu Tage:
Das Teleskop war durch den schweren Spiegel arg hecklastig - grob gewogen hätte man DREI KILO Gewicht verbasteln müssen um die Balance des ganzen herzustellen ! Also musste der Schwerpunkt neu berechnet und die Höhenlager versetzt werden.

Bei den Tests hierzu zeigte sich, daß die Martini-Höhenräder von Ihrem Erbauer recht wackelig, geradezu fahrlässig instabil, zur Montage vorbereitet worden waren. Einmal nicht aufgepasst, schon hüpft das ganze Teleskop beim flacheren Neigen aus der Führung der Rockerbox... DAS kann so nicht bleiben.

Die eigentliche OP verlief völlig schmerzfrei....ging ja "nur" ums bohren von 4 Löchern. Allerdings ist die Schwerpunktfindung bei einem solchen Scope nicht ganz unknifflig und bereitete uns einiges Kopfzerbrechen. Um den geneigten Leser nicht allzu sehr zu langweilen:

Wir hams hingekriegt und auch der Balancepunkt sitzt nun PERFEKT :)

Selbst mit meinem Monster Übersichts-Okular nickt das Teleskop nicht nach vorne weg und wenn der Sucher später montiert ist sackt es beim Wechsel auf leichtere Linsen auch nicht nach hinten nach.

Trommelwirbel:

Da steht sie nun und blickt stolz zur Venus...

Einen ersten Test wollten wir uns natürlich nicht nehmen lassen - auch wenn der Himmel indiskutabel war wurde die frisch gebackene 12"erin auf den Feldweg geschleift und gen flach stehender Venus geschwenkt...Boah, wie langweilig :P Aber für Benny an diesem Abend wohl der schönste Anblick der Welt ! Als klar war, daß wirklich alles geklappt hat vollzog Benny noch die Taufe seines neuen Geräts:


Hypatia heißt Sie nun...


Fazit: Operation gelungen, Patientin ENDLICH fertig, Mitbeobachter glücklich gemacht !
Was will man mehr. Einen kleinen Gratulations-Thread gibt es HIER zu lesen.


Gruß aus dem JanEtarium und klaren Himmel wünscht


Der Jan